Akkorde lernen auf Gitarre, Ukulele und Klavier: Griffbilder, Barré und Umkehrungen
Ein Akkordsymbol wie F oder Bm sagt dir, welche Töne erklingen sollen, aber nicht, wie deine Hand sie findet. Auf der Gitarre ist F ein Barré über alle sechs Saiten, auf der Ukulele genügen zwei Finger, am Klavier liegen F, A und C auf drei weißen Tasten mit jeweils einer ausgelassenen dazwischen. Wer versteht, welche Töne in einem Griff stecken und wie Griffe auseinander hervorgehen, lernt neue Akkorde nicht mehr einzeln auswendig, sondern leitet sie ab.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du Akkorddiagramme liest, mit welchen Akkorden du auf Gitarre, Ukulele und Klavier beginnst, wie Barré und Umkehrungen funktionieren und wie Akkordwechsel ins Tempo kommen. Zum Nachschlagen dienen die Gitarrenakkorde mit 20 Griffen, die Ukulele-Akkorde mit 16 Griffen in GCEA-Stimmung und die Piano-Akkorde mit zehn Akkordtypen auf allen zwölf Grundtönen. Bassisten finden in den Bass-Skalen den Tonvorrat, aus dem sie Akkordtöne herausgreifen.
Diagramm, Tabulatur, Griffbrett: drei Blickrichtungen
Beim Akkordelernen begegnen dir drei Darstellungen, und jede ist anders ausgerichtet. Das Akkorddiagramm stellt den Hals senkrecht, als hinge die Gitarre mit der Decke zu dir an der Wand: Sattel oben, tiefste Saite links. Die Tabulatur legt den Hals waagerecht und setzt die höchste Saite in die oberste Zeile, die tiefe E-Saite steht dort also unten, obwohl sie beim Spielen oben liegt. Das Griffbrett der Bass-Skalen folgt dieser Tab-Logik, mit der G-Saite oben.
Auch Fingernummern sind nicht einheitlich. Die Tools zeigen keine, viele Liederbücher schon. An Gitarre, Ukulele und Bass ist der Zeigefinger die 1 und der kleine Finger die 4, am Klavier zählen beide Hände vom Daumen (1) bis zum kleinen Finger (5). Eine 3 meint auf der Gitarre also den Ringfinger, am Klavier den Mittelfinger. Dazu kommen diese Zeichen:
- ○ über dem Sattel: Die Saite klingt leer mit.
- × über dem Sattel: nicht anschlagen oder abdämpfen. In der Ukulele-Liste kommt es nicht vor.
- Bogen über mehrere Saiten: ein Barré. Die Tools zeichnen ihn nicht, du erkennst ihn an mehreren Punkten im selben Bund, beim Gitarren-F im 1. Bund.
- Bundzahl neben dem Diagramm, etwa 5fr: Das Bild beginnt weiter oben am Hals. Die Tools zeigen stets die Bünde 1 bis 4 ab dem Sattel.
Was in einem Griff steckt
Ein Dreiklang hat drei verschiedene Töne, eine Gitarre aber sechs Saiten, also werden Töne verdoppelt. Beim Bm (deutsch Hm) aus der Gitarrenliste, x-2-4-4-3-2, erklingen von der A-Saite aufwärts B, F#, B, D und F#: Grundton und Quinte doppelt, die Terz D nur einmal, auf der H-Saite im 3. Bund. Klingt genau diese Saite nicht, ist der Akkord weder Dur noch Moll, sondern ein leerer Quintklang.
Ebenso wichtig ist der tiefste Ton. Die × bei A, Am und D halten den Grundton unten: Klingt bei A-Dur die leere tiefe E-Saite mit, liegt die Quinte im Bass. Auf der Ukulele mit ihrer hohen G-Saite ist der Grundton nicht immer der tiefste Ton, wie F-Dur im Vergleich zeigt. Dort erklingt außerdem das A zweimal in gleicher Höhe, gegriffen auf der G-Saite und leer auf der A-Saite.
| Instrument | Griff | Töne von tief nach hoch | Tiefster Ton |
|---|---|---|---|
| Gitarre | 1-3-3-2-1-1 | F2 C3 F3 A3 C4 F4 | F, Grundton |
| Ukulele | 2-0-1-0 | C4 F4 A4 A4 | C, Quinte |
| Klavier | Grundstellung | F4 A4 C5 | F, Grundton |
Die ersten Akkorde: in Tonart-Paketen lernen
Die Tool-Seiten schlagen jeweils eine Reihenfolge nach Schwierigkeit vor. Ergänzend lohnt es sich, Akkorde in Paketen zu lernen, die zusammen eine Tonart ergeben, denn nach jedem Paket kannst du ganze Songs spielen. Besonders ergiebig sind die Akkorde auf den Stufen I, IV, V und vi. Wie sie zusammenwirken, erklärt der Ratgeber Akkordfolgen und Kadenzen.
Welches Paket zuerst dran ist, hängt vom Instrument ab. Gitarristen starten am bequemsten in G-Dur oder a-Moll, auf Ukulele und Klavier liegt C-Dur näher. Passt die Tonart nicht zur Stimme, verschiebt ein Kapodaster auf Gitarre und Ukulele das ganze Paket, ohne dass sich ein Griff ändert. Den Bund berechnet der Capo-Rechner, Hintergründe stehen im Ratgeber Gitarre stimmen und Kapodaster nutzen.
| Paket | Gitarre | Ukulele | Klavier |
|---|---|---|---|
| C-Dur: C, F, G, Am | F in der Liste als voller Barré | alle vier mit höchstens drei Fingern | nur weiße Tasten |
| G-Dur: G, C, D, Em | alle vier offen, kein Barré | Em (0-4-3-2) mit Dehnung bis Bund 4 | eine schwarze Taste: F# in D |
| D-Dur: D, G, A, Bm | Bm als Barré im 2. Bund | Bm (4-2-2-2) als Barré im 2. Bund | F# in D und Bm, C# in A |
| a-Moll: Am, Dm, E | alle drei offen | E fehlt in der Liste | G# in E |
Für das a-Moll-Paket fehlt in der Ukulele-Liste der E-Akkord. Verbreitet sind E7 als 1-2-0-2 und E-Dur als 4-4-4-2. Nachrechnen kannst du beide: E7 ergibt von der G- zur A-Saite G#, D, E und B, E-Dur B, E, G# und B.
Barré: offene Griffe, die den Hals hinaufwandern
Die gängigen Barré-Griffe sind offene Griffe, die du ein Stück höher setzt. Die leeren Saiten des Originals übernimmt der quer gelegte Zeigefinger, die übrigen Finger greifen das bekannte Muster. So entsteht F (1-3-3-2-1-1) aus dem E-Griff 0-2-2-1-0-0 einen Bund höher, Fm ebenso aus Em, und Bm (x-2-4-4-3-2) aus Am (x-0-2-2-1-0) zwei Bünde höher.
Ohne leere Saiten funktioniert die Form in jedem Bund. Den Namen liefert der Ton unter dem Zeigefinger auf der Saite, auf der das Original seinen Grundton hat: bei E- und Em-Form die tiefe E-Saite, bei A- und Am-Form die A-Saite. Die Diagramme der Tools enden beim 4. Bund, höhere Lagen überträgst du selbst:
- E-Form im 5. Bund (5-7-7-6-5-5): A-Dur, denn die tiefe E-Saite klingt dort als A.
- Am-Form im 4. Bund (x-4-6-6-5-4): C#m, ein häufiger Akkord in E-Dur und A-Dur.
- Bb, das in der Gitarrenliste fehlt: A-Form im 1. Bund (x-1-3-3-3-1) oder E-Form im 6. Bund (6-8-8-7-6-6).
- Ukulele: Aus A (2-1-0-0) wird einen Bund höher Bb (3-2-1-1) und noch einen Bund höher B (4-3-2-2), der Zeigefinger ersetzt die leeren E- und A-Saiten. Bm (4-2-2-2) ist Am (2-0-0-0) zwei Bünde höher, wie auf der Gitarre.
Taste dich mit kleinen Barrés heran. Auf der Gitarre ist das kleine F (x-x-3-2-1-1) ein guter Zwischenschritt: Der Zeigefinger drückt nur H- und hohe E-Saite im 1. Bund, es erklingen F, A, C und F. Auf der Ukulele erfüllt Bb dieselbe Aufgabe, auch dort liegt der Zeigefinger über zwei Saiten.
Klavier: drei Töne, drei Lagen
Am Klavier hat jeder Ton pro Oktave genau eine Taste, ein Greifproblem wie beim Barré gibt es nicht. Dafür stellt sich die Frage der Lage. Liegt der Grundton unten, heißt das Grundstellung, liegt die Terz unten, erste Umkehrung oder Sextakkord, liegt die Quinte unten, zweite Umkehrung oder Quartsextakkord. Soll ein bestimmter Ton im Bass liegen, steht er im Akkordsymbol hinter einem Schrägstrich: C/E verlangt die Terz unten.
Der Nutzen zeigt sich beim Wechseln. Spielst du C, F und G nur in Grundstellung, springt die ganze Hand mit. Nimmst du jeweils die nächstgelegene Lage, genügen kleine Bewegungen: C – E – G, dann C – F – A, dann B – D – G (B ist das deutsche H) und zurück zu C – E – G. Beim ersten Wechsel bleibt das C liegen, beim zweiten sinken alle drei Töne um einen bis drei Halbtöne, beim dritten bleibt das G liegen.
Die Piano-Akkorde legen dich auf keine Lage fest. Du wählst „Grundton“ und „Akkordtyp“, etwa F und „Dur (maj)“, und das Tool markiert auf zwei Oktaven jede passende Taste, den Grundton in eigener Farbe. Weil jeder Akkordton zweimal aufleuchtet, kannst du alle Umkehrungen ablesen. Beginnst du beim zweiten C der Klaviatur, passt die Folge von oben vollständig hinein. Die Töne darunter stehen in Grundstellungs-Reihenfolge und immer mit Kreuz, also A# statt Bb. Eine Hörfunktion hat das Tool nicht.
Die Tabelle nennt die üblichen Ausgangs-Fingersätze für C-Dur. Bei großen Händen oder weiten Griffen weichst du ab, entscheidend ist, dass du ohne Umsetzen zum nächsten Akkord kommst.
| Lage | Töne von unten | Rechte Hand | Linke Hand |
|---|---|---|---|
| Grundstellung | C – E – G | 1 – 3 – 5 | 5 – 3 – 1 |
| 1. Umkehrung (Sextakkord) | E – G – C | 1 – 2 – 5 | 5 – 3 – 1 |
| 2. Umkehrung (Quartsextakkord) | G – C – E | 1 – 3 – 5 | 5 – 2 – 1 |
Bass: Akkordtöne als Muster auf dem Griffbrett
Am Bass erklingen Akkorde meist nicht als Zusammenklang, sondern Ton für Ton. In vielen Stilen trägt der Grundton die Eins, dazu kommen Quinte, Oktave und Terz. Der Viersaiter ist mit E, A, D und G eine Oktave tiefer gestimmt als die vier tiefen Gitarrensaiten, und weil alle Abstände Quarten sind, sehen die Muster auf jedem Saitenpaar gleich aus.
Die Bass-Skalen zeigen keine Akkorde, sondern den Tonvorrat einer von zwölf Skalen auf den Bünden 0 bis 12, den Grundton hervorgehoben. Die Punkte tragen keine Notennamen, und abspielen lassen sich die Töne nicht. Als Landkarte taugt das trotzdem: Mit Grundton A und „Moll-Pentatonik“ erkennst du um den 5. Bund ein Kästchen, auf der E-Saite Bund 5 und 8, auf A-, D- und G-Saite jeweils Bund 5 und 7. Darin liegen A, C und E, der Am-Dreiklang, und mit dem G dazu Am7.
Beim Akkordwechsel landest du am sichersten auf dem neuen Grundton und nutzt Skalentöne als Weg dorthin. Steht im Leadsheet C/E, spielst du das E, und erst dieser Basston macht den Bandklang zur Umkehrung, auch wenn Gitarre oder Klavier C in Grundstellung greifen. Die übrigen Akkordtöne liegen in festen Abständen, hier ab dem A im 5. Bund der E-Saite:
- Quinte: eine Saite höher, zwei Bünde weiter, also E im 7. Bund der A-Saite.
- Oktave: zwei Saiten höher, zwei Bünde weiter, also A im 7. Bund der D-Saite.
- Große Terz: eine Saite höher, einen Bund zurück, also C# im 4. Bund der A-Saite. Die kleine Terz C liegt zwei Bünde zurück im 3. Bund.
Akkordwechsel üben: erst sauber, dann im Takt
Ein Song scheitert selten an einem einzelnen Griff, meist hakt es beim Wechsel. Wie knapp die Zeit ist, lässt sich ausrechnen: Ein Schlag dauert 60.000 Millisekunden geteilt durch das Tempo, bei 60 BPM also eine Sekunde, bei 80 BPM 750 und bei 120 BPM 500 Millisekunden. Löst du die Hand erst nach dem letzten Anschlag eines Akkords, muss der neue Griff innerhalb dieser Zeit sitzen. Übe Wechsel deshalb einzeln, bevor du sie im Song spielst:
- Such das schwierigste Akkordpaar des Songs heraus, etwa G nach C auf der Gitarre oder F nach G am Klavier.
- Setz den ersten Griff mit allen Fingern gleichzeitig, heb die Hand ein paar Zentimeter ab und setz ihn erneut, zehnmal hintereinander. Danach dasselbe mit dem zweiten Griff.
- Wechsle langsam hin und her und achte auf Finger, die liegen bleiben oder auf ihrer Saite nur rutschen. Sie führen die Hand.
- Stell das Metronom auf 60 BPM und spiel jeden Akkord vier Schläge lang. Der neue Griff muss zur Eins sitzen, die das Metronom mit einem höheren Klick markiert.
- Klappt das eine Minute lang ohne Aussetzer, gib jedem Akkord nur noch zwei Schläge und steigere danach das Tempo in Schritten mit „+5 BPM“.
- Spiel den Wechsel zum Schluss im Song, mit dem Takt davor und danach.
Ein Kniff aus der Bandpraxis: Schlag auf der Gitarre das letzte Achtel vor dem Wechsel auf den leeren Saiten an, während die Greifhand schon unterwegs ist. Im Strumming geht der kurze Fremdklang unter, und der neue Akkord steht pünktlich auf der Eins.
Hörprobe, Selbstkontrolle und Grenzen der Tools
Ein Griff ist erst gelernt, wenn er sauber klingt. Bei den Gitarren- und Ukulele-Akkorden spielt „Akkord anhören“ die gewählten Töne kurz nacheinander in der Saitenreihenfolge des Diagramms, als elektronischer Klang mit dem Kammerton A4 = 440 Hz. Stimm dein Instrument passend, schlag danach deinen Griff Saite für Saite an und vergleiche. Weicht ein Ton ab, prüfe am Diagramm, ob der Finger im richtigen Bund liegt oder eine leere Saite versehentlich gedämpft wird.
Für das Ohr ergänzt Akkorde hören das Üben am Instrument: Wer Dur, Moll, vermindert und übermäßig am Klang unterscheidet, merkt schneller, wenn in einem Griff die Terz nicht stimmt. Wie Dreiklänge und Septakkorde aufgebaut sind, erklärt der Ratgeber Skalen, Akkordaufbau und Transponieren.
Die Griffsammlungen sind klein gehalten: ein Griff pro Akkord, alle in den ersten vier Bünden, ohne Maj7-, Sus- oder verminderte Akkorde. Die Piano-Akkorde decken dagegen zehn Typen ab, darunter Sus2, Sus4, Major 7 und Vermindert 7. Fehlt dir ein Saitengriff, lass dir im Akkord- und Skalenfinder die Töne anzeigen und such sie ausgehend von einem verwandten Griff auf dem Griffbrett zusammen.
Häufige Fragen
Welche Finger nehme ich, wenn das Griffbild keine Fingernummern zeigt?
Als Ausgangspunkt gilt ein Finger pro Bund, der Zeigefinger für den niedrigsten gegriffenen Bund. Danach entscheidet der nächste Akkord: Wähle die Verteilung, mit der du beim Wechsel am wenigsten umgreifen musst. Für spätere Barrés lohnt es sich, E, Em und Am auch ohne Zeigefinger greifen zu können.
Wie viele Akkorde brauche ich für die ersten Songs?
Drei bis vier Akkorde einer Tonart reichen für viele Songs, typisch sind die Stufen I, IV, V und vi, in G-Dur also G, C, D und Em. Übe die Wechsel zwischen ihnen, bevor du neue Griffe dazunimmst. Welche Folgen sich daraus bauen lassen, zeigt das Tool Akkordprogressionen.
Muss ich am Klavier Umkehrungen lernen, wenn ich nur begleiten will?
Gerade dann. Mit Umkehrungen bleiben gemeinsame Töne liegen, und die rechte Hand bewegt sich zwischen den Akkorden meist nur um wenige Tasten, statt bei jedem Wechsel zu springen. Den Grundton übernimmt die linke Hand im Bass, so bleibt der Akkord trotzdem eindeutig.
Tun die Fingerkuppen am Anfang weh, und was hilft?
Auf Gitarre und Ukulele ist das anfangs normal, bis sich an den Kuppen Hornhaut bildet. Übe lieber mehrmals täglich kurz als einmal lange und drück nur so fest, wie es für einen sauberen Ton nötig ist. Schmerzen in Gelenken oder Handgelenk sind dagegen ein Grund, Haltung und Griffdruck zu prüfen und eine Pause einzulegen.