Gitarre stimmen und Kapodaster nutzen: Stimmungen, Frequenzen und Kapo-Positionen

Eine verstimmte Gitarre ruiniert jeden Song, ein schief sitzender Kapodaster ebenso. Beides gehört zu den Handgriffen, die du ständig brauchst und selten richtig erklärt bekommst: Wie stimme ich ohne Stimmgerät? Was ändert sich bei Drop D oder Open G? Und welcher Akkord klingt eigentlich, wenn ich mit Kapo im dritten Bund einen G-Griff spiele?

Dieser Ratgeber beginnt bei der Standardstimmung und ihren Frequenzen, zeigt das Stimmen nach Gehör und mit Stimmgerät, stellt die alternativen Stimmungen aus der Übersicht Gitarrenstimmungen vor und rechnet danach Kapo-Positionen durch. Jede Rechnung kannst du im Capo-Rechner überprüfen.

Die Standardstimmung E-A-D-G-H-E

Gezählt werden die Saiten von der dünnsten zur dicksten: Die hohe E-Saite ist die erste, die tiefe E-Saite die sechste. Gestimmt und aufgeschrieben wird dagegen meist von tief nach hoch, also E, A, D, G, H, E. Eine verbreitete Eselsbrücke dafür lautet „Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen“.

Zwischen benachbarten Saiten liegen jeweils fünf Halbtöne, eine Quarte, mit einer Ausnahme: Von G nach H sind es nur vier Halbtöne, eine große Terz. Insgesamt ergibt das 5 + 5 + 5 + 4 + 5 = 24 Halbtöne, die beiden E-Saiten liegen also genau zwei Oktaven auseinander. Wegen dieser Ausnahme verrutschen Tonleiter- und Akkordmuster beim Wechsel auf die H-Saite um einen Bund. Und für Notenleser: Gitarrenmusik wird im Violinschlüssel eine Oktave höher notiert, als sie klingt.

SaiteTonim ToolMIDI-NummerFrequenz
6 (tiefste)EE24082,41 Hz
5AA245110,00 Hz
4DD350146,83 Hz
3GG355196,00 Hz
2HB359246,94 Hz
1 (höchste)EE464329,63 Hz

Woher die Frequenzen kommen

Die Werte gelten für gleichstufige Stimmung mit dem Kammerton A4 = 440 Hz. Jeder Halbton multipliziert die Frequenz mit der zwölften Wurzel aus 2, rund 1,0595. Die A-Saite liegt mit genau 110 Hz zwei Oktaven unter dem Kammerton, denn 440 ÷ 4 = 110. Die tiefe E-Saite liegt fünf Halbtöne darunter: 110 × 2^(−5/12) ≈ 110 × 0,7492 ≈ 82,41 Hz. Die hohe E-Saite liegt zwei Oktaven über ihr und schwingt mit 329,63 Hz genau viermal so schnell.

Die Gitarrenstimmungen rechnen genauso: Aus dem Notennamen jeder Saite wird die MIDI-Nummer bestimmt und daraus die Frequenz mit zwei Nachkommastellen. „Ton abspielen“ erzeugt einen Sinuston in dieser Höhe. Stimmt deine Band auf 442 Hz, liegen alle Saiten knapp 8 Cent höher, die tiefe E-Saite etwa bei 82,78 Hz. Solche Werte liefert der Frequenz-Note-Konverter, in dem du den Kammerton einstellst. Wie die MIDI-Nummern entstehen, erklärt der Ratgeber MIDI-Grundlagen.

Stimmen nach Gehör: die Bund-5-Methode

Ohne Stimmgerät stimmst du die Gitarre in sich. Du brauchst nur einen Bezugston für eine Saite, etwa von einer Stimmgabel, einem Klavier oder aus den Gitarrenstimmungen. Kleine Laptop-Lautsprecher geben den Sinuston der tiefen E-Saite mit 82 Hz allerdings kaum wieder, dann helfen Kopfhörer.

Beim Vergleichen hilft die Schwebung: Liegen zwei Töne nah beieinander, aber nicht exakt gleich, hörst du ein Wabern, und zwar so oft pro Sekunde, wie die Frequenzen auseinanderliegen. Klingt die A-Saite mit 111 statt 110 Hz, wabert es einmal pro Sekunde, und das sind schon fast 16 Cent zu hoch. Dreh am Wirbel, bis das Wabern verschwindet, am besten von unten an den Zielton heran.

  1. Stimme die tiefe E-Saite nach dem Bezugston.
  2. Greife sie im 5. Bund. Das ergibt A, den Ton der leeren A-Saite. Stimme die A-Saite, bis beide gleich klingen.
  3. Greife die A-Saite im 5. Bund und stimme danach die leere D-Saite.
  4. Greife die D-Saite im 5. Bund und stimme danach die leere G-Saite.
  5. Greife die G-Saite im 4. Bund, nicht im fünften, und stimme danach die leere H-Saite. Hier wirkt die große Terz.
  6. Greife die H-Saite im 5. Bund und stimme danach die hohe E-Saite.
  7. Prüfe das Ergebnis mit einem offenen Akkord wie E-Dur oder G-Dur und korrigiere bei Bedarf.

Stimmgerät, Cent und Flageoletts

Ein chromatisches Stimmgerät erkennt den nächstgelegenen Halbton und zeigt die Abweichung in Cent, also in Hundertstel Halbtönen. Geräte zum Anklemmen nehmen die Schwingung über die Kopfplatte ab und funktionieren auch in lauter Umgebung, Geräte mit Mikrofon hören Nebengeräusche mit. Lies den Wert ab, wenn der erste Impuls abgeklungen ist: Direkt nach einem kräftigen Anschlag liegt die Tonhöhe kurz etwas höher.

Beliebt ist auch der Vergleich von Flageolett-Tönen im 5. und 7. Bund. Er ist bequem, aber nicht ganz exakt, denn Flageoletts liefern reine Intervalle, und eine reine Quarte ist knapp 2 Cent kleiner als die gleichstufige. Über mehrere Saiten summiert sich das, und zwischen G- und H-Saite funktioniert der Vergleich wegen der großen Terz gar nicht. Kontrolliere zum Schluss deshalb mit gegriffenen Tönen oder dem Stimmgerät.

Alternative Stimmungen im Überblick

Die Übersicht Gitarrenstimmungen enthält neben der Standardstimmung acht Varianten. Das Tool schreibt die Töne international mit Oktavzahl, H erscheint also als B, Fis als F# und Es als Eb. Die Tabelle nennt die deutschen Namen von der sechsten zur ersten Saite.

Zwei Paare gehören zusammen: Open E ist Open D einen Ganzton höher, Open A ist Open G einen Ganzton höher. Griffmuster und Slide-Licks bleiben gleich, nur die Saitenspannung unterscheidet sich. Open D und Open G entspannen Saiten, Open E und Open A spannen drei Saiten stärker als gewohnt. Statt Open E kannst du deshalb auch Open D mit Kapo im 2. Bund spielen, das klingt in derselben Tonart.

StimmungSaiten 6 bis 1Änderung gegenüber Standardleer angeschlagen
Drop DD A D G H ESaite 6 −2 HalbtönePowerchord D5 auf den Saiten 6 bis 4
Open GD G D G H DSaiten 6, 5 und 1 je −2G-Dur
Open DD A D Fis A DSaiten 6, 2 und 1 je −2, Saite 3 −1D-Dur
Open EE H E Gis H ESaiten 5 und 4 je +2, Saite 3 +1E-Dur
Open AE A E A Cis ESaiten 4, 3 und 2 je +2A-Dur
DADGADD A D G A DSaiten 6, 2 und 1 je −2Dsus4
Halber Ton tieferEs As Des Ges B Esalle Saiten −1wie Standard, einen Halbton tiefer
Ganzer Ton tieferD G C F A Dalle Saiten −2wie Standard, einen Ganzton tiefer

Drop D stimmst du ohne Stimmgerät in Sekunden: Senke die sechste Saite, bis sie im 7. Bund gegriffen genau wie die leere A-Saite klingt, denn D plus sieben Halbtöne ergibt A. Alternativ vergleichst du das Flageolett im 12. Bund der tiefen Saite mit der leeren D-Saite.

Der Kapodaster: ein verschiebbarer Sattel

Ein Kapodaster klemmt alle Saiten an einem Bund ab und wird so zum neuen Sattel. Jeder Bund verkürzt die schwingende Länge auf rund 94,4 Prozent und hebt die Tonhöhe um einen Halbton, im 12. Bund ist die Saite genau halb so lang und klingt eine Oktave höher. Mit Kapo im 2. Bund klingt die leere tiefe E-Saite also als Fis mit 82,41 × 2^(2/12) ≈ 92,50 Hz, die A-Saite als H mit 123,47 Hz.

Die Stimmung selbst bleibt unverändert, du spielst gewissermaßen auf einem kürzeren Instrument. Deshalb funktionieren alle vertrauten offenen Griffe weiter. Setze den Kapo dicht hinter das Bundstäbchen, nicht darauf und nicht mitten zwischen zwei Bünde, und drücke nur so fest wie nötig. Zu viel Druck dehnt die Saiten und macht sie etwas zu hoch.

Griffbild und klingender Akkord

Mit Kapodaster musst du zwei Namen auseinanderhalten: das Griffbild, also die Form, die deine Finger greifen, und den klingenden Akkord, den das Publikum hört. Die Regel lautet: klingender Grundton = Grundton des Griffbilds + Kapo-Bund in Halbtönen. Zum Rechnen nummerierst du die zwölf Töne von C = 0 über C# = 1 bis B = 11 und ziehst 12 ab, wenn die Summe darüber liegt. Die Akkordart bleibt erhalten, aus Moll wird Moll, aus einem Septakkord ein Septakkord.

Im Capo-Rechner wählst du dafür den Modus „Akkorde + Kapo-Bund → klingende Akkorde“, trägst die gegriffenen Akkorde durch Leerzeichen getrennt ein und stellst den Kapodaster-Bund zwischen 0 und 12 ein. Das Tool verschiebt den Grundton, bei Slash-Akkorden auch den Basston, und lässt Zusätze wie m7 oder sus4 stehen. Ergebnisse schreibt es immer mit Kreuz, also A# statt Bb. Eingaben erwartet es international, das deutsche H also als B.

  • Kapo 3, Griffe G C D Em: G + 3 = A#, C + 3 = D#, D + 3 = F, E + 3 = G. Es klingt A# D# F Gm, üblicher geschrieben Bb Eb F Gm.
  • Kapo 5, Griffe Am Dm E: A + 5 = D, D + 5 = G, E + 5 = A. Es klingt Dm Gm A, eine Kadenz in d-Moll.
  • Kapo 1, Griff D/F#: Grundton und Basston wandern beide, es klingt D#/G, gleichbedeutend mit Eb/G.
  • Kapo 7, G-Form: 7 + 7 = 14, minus 12 ergibt 2, also klingt ein D.

Brauchst du die klingenden Akkorde in B-Schreibweise, etwa für ein Leadsheet in Bb-Dur, nimm den Transponierer: Griffe eintragen, den Kapo-Bund als Halbtonschritte einstellen und bei Notation „B (b)“ wählen. Aus G C D Em mit 3 Halbtonschritten wird dort Bb Eb F Gm.

Die passende Kapo-Position finden

Meist fragst du andersherum: Der Song soll in einer bestimmten Tonart klingen, wo sitzt der Kapo? Mit denselben Tonnummern gilt: Kapo-Bund = klingender Grundton − Grundton des Griffbilds, bei negativem Ergebnis plus 12. Für Eb (3) mit der C-Form (0) ist das Bund 3. Mit der G-Form (7) ergibt sich 3 − 7 = −4, plus 12 also Bund 8.

Im Capo-Rechner heißt dieser Modus „Ziel-Tonart + gewünschtes Griffbild → Kapo-Bund“. Unter „Gewünschte klingende Tonart“ wählst du den Grundton, unter „Bevorzugtes Griffbild“ eine der Formen C, D, E, G, A, Am, Em oder Dm. Dur und Moll unterscheidet das Tool bei der Zieltonart nicht. Für Fis-Moll wählst du deshalb F#/Gb und eine Moll-Form, mit der Em-Form ergibt sich Bund 2. Die Tabelle nennt den Kapo-Bund für Dur-Tonarten, die offen gegriffen unbequem sind.

Klingende TonartC-FormD-FormE-FormG-FormA-Form
C# / Db111964
D# / Eb311186
F531108
G# / Ab864111
A# / Bb108631
B (dt. H)119742

Nimm meist die niedrigste Position, die dir liegt. In hohen Lagen wird es auf vielen Akustikgitarren eng, und der Klang wird dünner. Für Eb bieten sich die D-Form mit Kapo 1 oder die C-Form mit Kapo 3 an, für Bb die A-Form mit Kapo 1 oder die G-Form mit Kapo 3.

Grenzen des Kapos und Praxis in der Band

Ein Kapodaster transponiert nur nach oben. Soll ein Song tiefer klingen, als es mit offenen Griffen geht, hilft eine Tiefstimmung. Mit „Halber Ton tiefer“ klingen die Griffe E, A und B7 (deutsch H7) als Eb, Ab und Bb7, mit „Ganzer Ton tiefer“ als D, G und A7. Weil dabei alle Saiten gleichmäßig verschoben sind, bleiben sämtliche Griffbilder gültig. In Drop D gilt das nur für Akkorde ohne die tiefste Saite.

Die Gitarrenakkorde zeigen 20 gängige Griffbilder in Standardstimmung, jeweils ab dem Sattel. Mit Kapo liest du sie relativ zum Kapodaster: ○ heißt dann, die Saite im Kapo-Bund klingen zu lassen, und ein Punkt im 2. Bund des Diagramms liegt bei Kapo 3 tatsächlich im 5. Bund. „Akkord anhören“ spielt den Griff ohne Kapo ab.

Auf deinem eigenen Akkordblatt stehen die Griffbilder mit dem Hinweis „Kapo 3“, für Bass, Keyboard und Gesang dagegen die klingenden Akkorde. Spielen zwei Gitarren zusammen, klingt es voller, wenn sie verschiedene Lagen nutzen: Gitarre 1 greift G-Formen ohne Kapo, Gitarre 2 D-Formen mit Kapo 5. Beide klingen in G, denn D plus fünf Halbtöne ergibt G.

Häufige Fragen

Muss ich nach dem Aufsetzen des Kapodasters nachstimmen?

Oft ein wenig, ja. Der Druck des Kapos dehnt die Saiten und kann sie um einige Cent nach oben ziehen, vor allem wenn er schräg sitzt oder zu fest klemmt. Stimme deshalb mit aufgesetztem Kapo kurz nach und prüfe die Stimmung erneut, wenn du ihn wieder abnimmst.

Kann ich mit einem Kapodaster einen Song tiefer spielen?

Nicht direkt, denn ein Kapo hebt die Tonhöhe immer an. Du kannst aber andere Griffformen mit Kapo nutzen oder tiefer stimmen, etwa mit „Halber Ton tiefer“ aus den Gitarrenstimmungen. Soll ein Song in C# statt in D klingen, greifst du in dieser Stimmung die D-Formen oder in Standardstimmung die C-Form mit Kapo 1.

Was bedeutet die Zahl hinter dem Notennamen, zum Beispiel E2?

Sie gibt die Oktave an. Die Tools auf musiker-tools.de nennen das mittlere C (MIDI-Note 60) C4, und die Oktavzahl wechselt jeweils beim C. Die tiefe E-Saite ist deshalb E2, die hohe E-Saite E4 und das A mit 440 Hz A4. Manche Programme zählen um eine Oktave versetzt und nennen die tiefe E-Saite E1.

Warum klingt meine Gitarre in offenen Akkorden sauber, weiter oben am Hals aber schief?

Das liegt meist an der Oktavreinheit, nicht an der Stimmung. Vergleiche das Flageolett im 12. Bund mit dem dort gegriffenen Ton: Weicht der gegriffene Ton deutlich ab, muss die Gitarre am Steg eingestellt werden. Alte Saiten und zu starker Fingerdruck verstärken das Problem.