Skalen, Akkordaufbau und Transponieren: Harmonielehre zum Nachrechnen

Skalen und Akkorde sind zwei Blickwinkel auf dasselbe Material. Eine Skala ordnet die Töne einer Tonart nacheinander an, ein Akkord wählt einige davon aus und lässt sie gleichzeitig klingen. Beides lässt sich vollständig in Halbtonschritten beschreiben. Wer diese Abstände kennt, kann jeden Akkord und jede Tonleiter auf jedem Grundton selbst herleiten, statt Tabellen auswendig zu lernen.

Dieser Ratgeber geht die Bausteine der Reihe nach durch: die Dur-Tonleiter, die drei Formen von Moll, die Kirchentonarten, Dreiklänge und Septakkorde und zum Schluss das Transponieren mit seinen typischen Schreibfehlern. Jedes Beispiel kannst du im Akkord- und Skalenfinder nachprüfen, der zu jedem Grundton zehn Akkordtypen und zwölf Skalen ausgibt. Für ganze Akkordfolgen gibt es den Transponierer.

Das Maß für alles: Halbtöne

Ein Halbton ist der kleinste Abstand im westlichen Tonsystem, auf dem Klavier von einer Taste zur direkt benachbarten, auf der Gitarre von einem Bund zum nächsten. Zwei Halbtöne ergeben einen Ganzton, zwölf eine Oktave. Genau so rechnen auch die Tools dieser Seite: Jeder Akkord- und Skalentyp ist dort als Liste von Halbtonabständen zum Grundton hinterlegt.

Für Akkorde brauchst du nur eine Handvoll Abstände: kleine Terz 3 Halbtöne, große Terz 4, reine Quinte 7, verminderte Quinte 6, übermäßige Quinte 8, kleine Septime 10 und große Septime 11. Wer sie nicht nur zählen, sondern auch hören möchte, übt sie im Intervalltrainer.

Die Dur-Tonleiter in Zahlen

Die Töne der Dur-Tonleiter liegen 0, 2, 4, 5, 7, 9 und 11 Halbtöne über dem Grundton. Halbtonschritte gibt es nur zwischen der dritten und vierten sowie zwischen der siebten und achten Stufe. Auf D gerechnet: D plus 2 ist E, plus 4 ist F#, plus 5 ist G, plus 7 ist A, plus 9 ist B, plus 11 ist C#. D-Dur besteht also aus D, E, F#, G, A, B und C#.

Die Stufennummern tauchen später in Akkordnamen wieder auf. Die 3 steht für die Terz, die 5 für die Quinte, die 7 für die Septime. Zählst du über die Oktave hinaus weiter, wird aus der Sekunde die 9 und aus der Quarte die 11, deshalb heißen Akkorde mit diesen Zusatztönen etwa Cadd9 oder G11.

Drei Formen von Moll

Moll gibt es in drei Varianten, die sich nur in der sechsten und siebten Stufe unterscheiden. Natürliches Moll, im Finder als „Moll (Äolisch)“ geführt, teilt seine Töne mit der parallelen Dur-Tonart, a-Moll also mit C-Dur. Sein siebter Ton liegt einen Ganzton unter dem Grundton, es fehlt also der Leitton.

Harmonisch Moll erhöht deshalb die Septime. In a-Moll wird aus G ein G#, damit wird die fünfte Stufe zum Dur-Akkord E mit echtem Leitton. Zwischen F und G# entsteht dabei ein Abstand von drei Halbtönen, eine übermäßige Sekunde mit sehr markantem Klang. Melodisch Moll glättet diesen Sprung, indem es zusätzlich die Sexte erhöht. In der klassischen Lehre gilt das nur aufwärts, abwärts wird natürliches Moll gespielt. Im Jazz wird die erhöhte Form in beide Richtungen verwendet, und genau sie zeigt der Finder.

Skala im FinderHalbtöne ab GrundtonAuf AUnterschied zu natürlichem Moll
Moll (Äolisch)0, 2, 3, 5, 7, 8, 10A, B, C, D, E, F, G–
Harmonisch Moll0, 2, 3, 5, 7, 8, 11A, B, C, D, E, F, G#große Septime
Melodisch Moll0, 2, 3, 5, 7, 9, 11A, B, C, D, E, F#, G#große Sexte und große Septime

Kirchentonarten und Pentatonik in Kürze

Die sieben Kirchentonarten oder Modi entstehen, wenn du die Töne einer Dur-Tonleiter von einer anderen Stufe aus spielst, auf den weißen Tasten also von C bis C Ionisch, von D bis D Dorisch und so weiter. Wie du einen modalen Song am Klang erkennst, steht im Ratgeber Tonart erkennen. Zum Spielen hilfreicher ist der Vergleich mit Dur oder Moll auf demselben Grundton, denn jeder Modus weicht davon durch einen charakteristischen Ton ab:

  • Ionisch ist Dur, Äolisch ist natürliches Moll.
  • Dorisch: Moll mit großer Sexte. D-Dorisch hat B statt Bb.
  • Phrygisch: Moll mit kleiner Sekunde. E-Phrygisch beginnt mit dem Halbtonschritt E – F.
  • Lydisch: Dur mit übermäßiger Quarte. F-Lydisch hat B statt Bb.
  • Mixolydisch: Dur mit kleiner Septime. G-Mixolydisch hat F statt F# und passt zu Dominantseptakkorden.
  • Lokrisch: Moll mit kleiner Sekunde und verminderter Quinte. Als Grundtonart ist es selten, weil sein Tonika-Dreiklang vermindert ist.

Pentatonik und Blues: Die Dur-Pentatonik (0, 2, 4, 7, 9) und die Moll-Pentatonik (0, 3, 5, 7, 10) lassen die Halbtonschritte weg und reiben deshalb seltener mit den Akkorden einer Tonart. Die Bluestonleiter ergänzt die Moll-Pentatonik um die verminderte Quinte, auf A das Eb, das der Finder als D# anzeigt. Alle diese Skalen siehst du auf dem Griffbrett eines Viersaiters in Bass-Skalen.

Dreiklänge: Terz auf Terz

Ein Dreiklang besteht aus Grundton, Terz und Quinte, also aus zwei übereinandergeschichteten Terzen. Je nachdem, ob die Terzen groß oder klein sind, ergeben sich vier Typen. Der übermäßige Dreiklang teilt die Oktave in drei gleiche Teile zu je vier Halbtönen, Caug, Eaug und G#aug bestehen deshalb aus denselben Tasten. Die Sus-Akkorde, im Finder Sus2 und Sus4, ersetzen die Terz durch Sekunde oder Quarte und sind weder Dur noch Moll.

Ob der Grundton unten liegt oder nicht, ändert den Akkord nicht: C/E ist ein C-Dur-Akkord mit E im Bass, eine Umkehrung. Auf der Klaviatur markiert dir Piano-Akkorde jeden Akkordton über zwei Oktaven; in welcher Lage du sie greifst, entscheidest du selbst. Die Tabelle nennt die vier Dreiklänge auf C in korrekter Schreibweise:

Typ im FinderTerzen von untenHalbtöneAuf CSymbol
Dur (maj)groß + klein0, 4, 7C – E – GC
Moll (min)klein + groß0, 3, 7C – Eb – GCm
Vermindert (dim)klein + klein0, 3, 6C – Eb – GbCdim oder C°
Übermäßig (aug)groß + groß0, 4, 8C – E – G#Caug oder C+

Der Finder schreibt alle Töne mit Kreuzen und zeigt für Cm deshalb C, D#, G und für Cdim C, D#, F#. Klanglich ist das dasselbe. In Noten und bei der Benennung von Akkordtönen gilt aber: Die Terz steht zwei Stammtöne über dem Grundton, die Quinte vier. Von C aus ist die Terz also eine Form von E und die Quinte eine Form von G, darum Eb und Gb.

Septakkorde: der vierte Ton

Setzt du auf einen Dreiklang eine weitere Terz, entsteht ein Septakkord. Baust du die Septakkorde wie die Dreiklänge aus der Dur-Tonleiter, erhältst du in C-Dur Cmaj7, Dm7, Em7, Fmaj7, G7, Am7 und Bm7b5.

Den halbverminderten Typ m7b5 der siebten Stufe führt der Finder nicht, er besteht aus dem verminderten Dreiklang plus kleiner Septime, also 0, 3, 6, 10. Die vier Septakkorde der Typenliste, hier auf D gerechnet:

  • Major 7 (Dmaj7): Dur-Dreiklang plus große Septime, Halbtöne 0, 4, 7, 11, also D, F#, A, C#. Weich und offen, in Dur typisch auf der I und der IV.
  • Dominant 7 (D7): Dur-Dreiklang plus kleine Septime, 0, 4, 7, 10, also D, F#, A, C. Innerhalb einer Dur-Tonart gibt es ihn nur auf der V, deshalb zeigt er sofort eine Richtung an: D7 zieht nach G.
  • Moll 7 (Dm7): Moll-Dreiklang plus kleine Septime, 0, 3, 7, 10, also D, F, A, C. In Dur steht er auf ii, iii und vi.
  • Vermindert 7 (Ddim7): drei kleine Terzen, 0, 3, 6, 9. Korrekt geschrieben heißt er D, F, Ab, Cb, der Finder zeigt D, F, G#, B. Weil die Abstände symmetrisch sind, bestehen Fdim7, G#dim7 und Bdim7 aus denselben vier Tasten.

Transponieren: alle Grundtöne um denselben Abstand

Transponieren heißt, jeden Ton um dieselbe Zahl von Halbtönen zu verschieben. Bei Akkordsymbolen genügt es, den Grundton zu verschieben. Alles dahinter wie m, 7, maj7 oder sus4 bleibt, und ein Basston hinter dem Schrägstrich wandert mit. Den Abstand findest du, indem du vom alten zum neuen Grundton zählst. Von C nach Eb sind es 3 Halbtöne aufwärts oder 9 abwärts, beide Wege ergeben dieselben Akkordnamen. Aus C – Am – Dm7 – G7 wird so Eb – Cm – Fm7 – Bb7.

Im Transponierer sieht das so aus:

  1. Die Akkorde in das Feld „Akkordfolge (Akkorde durch Leerzeichen getrennt)“ tippen, hier C Am Dm7 G7.
  2. Bei „Halbtonschritte“ den Abstand eintragen, hier 3, oder mit den Buttons „+1 Halbton“ und „−1 Halbton“ hinzählen. Die Buttons bewegen sich zwischen −11 und +11.
  3. Unter „Notation“ die Schreibweise der Zieltonart wählen, „B (b)“ für Tonarten mit Bs, „Kreuz (#)“ für Tonarten mit Kreuzen.
  4. Das transponierte Ergebnis ablesen. Mit B-Notation steht dort Eb Cm Fm7 Bb7, mit Kreuz-Notation D# Cm Fm7 A#7.

Gitarristen lösen dieselbe Aufgabe oft mit dem Kapodaster: Jeder Bund hebt alle Saiten um einen Halbton, die Griffe bleiben gleich. Ein Song in B (deutsch H) lässt sich so mit G-Griffen und Kapo im vierten Bund spielen. Die Rechnung übernimmt der Capo-Rechner, mehr zum Kapo steht im Ratgeber Gitarre stimmen und Kapodaster.

Fallstricke bei Vorzeichen und Schreibweise

Die meisten Fehler beim Transponieren sind keine Rechen-, sondern Schreibfehler. Diese Punkte solltest du kennen:

  • Jeder Stammton genau einmal: In einer Tonleiter kommt jeder Buchstabe von A bis G genau einmal vor. F-Dur hat deshalb Bb und nicht A#, sonst stünden A und A# nebeneinander und B fehlte. Der Akkord- und Skalenfinder schreibt trotzdem immer mit Kreuzen und zeigt F-Dur als F, G, A, A#, C, D, E.
  • Ein Schalter für die ganze Zeile: Die Notation im Transponierer gilt für alle Akkorde des Ergebnisses. Steht in einer Folge in D-Dur ein geliehener Bb-Akkord, wird er bei Kreuz-Notation zu A#, und du korrigierst ihn von Hand.
  • Deutsche Tonnamen: Der Transponierer erwartet internationale Namen. Ein H lässt er unverändert stehen, ein deutsches B liest er als H, und aus Es wird bei +2 die Zeichenfolge F#s. Schreib vorher um: B statt H, Bb statt B, Eb statt Es, F#m statt Fis-Moll.
  • Nur Akkorde ins Feld: Jedes Wort, das mit einem Buchstaben von A bis G beginnt, behandelt das Tool als Akkord, auch klein geschrieben. Aus Bridge wird bei +2 C#ridge, deshalb gehören Liedtext und Abschnittsnamen nicht in die Eingabe.
  • Seltene Namen: Tonarten mit vielen Vorzeichen brauchen Töne wie E# in F#-Dur oder das Doppelkreuz F## als Leitton in g#-Moll. Die Tools kennen nur die zwölf Namen der Klaviatur und zeigen solche Töne unter ihrem Tastennamen, also F und G.

Häufige Fragen

Welche Moll-Tonleiter sollte ich zuerst üben?

Natürliches Moll, weil es dieselben Töne wie die parallele Dur-Tonleiter hat und du nichts Neues greifen musst. Harmonisch Moll kommt dazu, sobald Stücke eine Dur-Dominante verwenden, melodisch Moll vor allem für Jazz und Klassik. Alle drei zeigt dir der Akkord- und Skalenfinder auf jedem Grundton.

Warum zeigt der Akkord- und Skalenfinder D# statt Eb?

Er verwendet für alle Töne die zwölf Namen mit Kreuz, unabhängig von Tonart und Akkordtyp. D# und Eb sind auf Klavier und Gitarre derselbe Ton, für Spielen und Hören ändert sich nichts. Schreibst du Noten oder benennst Akkordtöne, gilt die Stammton-Regel, und die kleine Terz über C heißt Eb.

Kann ich mit dem Transponierer auch Melodien verschieben?

Ja, wenn du die Tonnamen ohne Oktavangabe eingibst, etwa E D C D E E E. Jeder Name wird wie ein Akkordgrundton verschoben. Oktavzahlen passt das Tool nicht an, aus B4 würde bei +1 C4 statt C5, deshalb lässt du sie besser weg.

Ist ein Kapodaster dasselbe wie Transponieren?

Klanglich ja, praktisch nicht ganz. Der Kapo verschiebt nur nach oben und lässt deine Griffe unverändert, während Transponieren die Akkordnamen ändert und auch abwärts funktioniert. Soll ein Song tiefer klingen als mit den Originalgriffen, musst du transponieren oder die Gitarre tiefer stimmen.