Akkordprogressionen
Bekannte Akkordfolgen durchstöbern oder zufällig eine generieren, transponierbar in jede Tonart.
Von der Stufe zum Akkord
Jede Progression ist im Finder als Folge von Abständen zur Tonika gespeichert, jeweils mit einem Akkordtyp. Die Pop-Progression besteht aus den Abständen 0, 7, 9 und 5 Halbtönen mit Dur, Dur, Moll und Dur. In der Tonart C ergibt das C, G, Am und F, in der Tonart G die Akkorde G, D, Em und C. Es sind festgelegte Muster und keine Akkorde, die das Tool aus einer Tonleiter ableitet. Darum kann eine Folge auch einen entlehnten Akkord enthalten, etwa das E-Dur in der Andalusischen Kadenz in A-Moll, das in natürlich Moll eigentlich ein Moll-Akkord wäre.
So nutzt du den Finder
- Wähle bei „Tonart“ den Grundton, in dem der Song stehen soll. Bei Moll-Folgen ist das der Moll-Grundton.
- Wähle bei „Progression“ eine der neun Folgen. Neben dem Namen stehen die Stufen, zum Beispiel „Pop-Progression (I – V – vi – IV)“.
- Lies die Akkorde in den Feldern ab. Das erste Feld ist hervorgehoben, es markiert den Anfang der Folge und ist nicht immer die Tonika (bei ii–V–I ist es die ii). Darüber steht die Stimmung der Folge.
- Mit „▶ Anhören“ spielt das Tool die Folge einmal ab, das gerade klingende Feld wird hervorgehoben.
- Mit „🎲 Zufällige Progression“ springt die Auswahl auf eine beliebige der neun Folgen. Deine Tonart bleibt dabei erhalten.
- Spiele die Akkorde als Schleife, zunächst einen Akkord pro Takt. Achte darauf, wie die Folge am Ende zum Anfang zurückfindet.
Alle neun Folgen im Überblick
Die Beispiele gelten für die Tonart C bei Dur-Folgen und für die Tonart A bei Moll-Folgen. Die Stimmung ist die Angabe, die das Tool zu jeder Folge anzeigt.
| Name im Tool | Stufen | Beispiel | Stimmung |
|---|---|---|---|
| Pop-Progression | I – V – vi – IV | C – G – Am – F | eingängig, fröhlich |
| 50er-Jahre-Progression | I – vi – IV – V | C – Am – F – G | nostalgisch, verträumt |
| Jazz ii–V–I | ii7 – V7 – Imaj7 | Dm7 – G7 – Cmaj7 | jazzig, smooth |
| 12-Takt-Blues (Kernakkorde) | I7 – IV7 – V7 | C7 – F7 – G7 | bluesig, roh |
| Axis of Awesome | vi – IV – I – V | Am – F – C – G | episch, kraftvoll |
| Pachelbels Kanon | I – V – vi – iii – IV – I – IV – V | C – G – Am – Em – F – C – F – G | getragen, feierlich |
| Andalusische Kadenz | i – VII – VI – V | Am – G – F – E | dramatisch, spanisch |
| Emotionales Moll | i – VI – III – VII | Am – F – C – G | melancholisch, emotional |
| Moll-Blues | i – iv – v | Am – Dm – Em | düster, bluesig |
Gleiche Akkorde, anderer Schwerpunkt
Die Tabelle enthält eine Besonderheit: „Axis of Awesome“ in C und „Emotionales Moll“ in A ergeben dieselben vier Akkorde in derselben Reihenfolge, nämlich Am – F – C – G. Auch die Pop-Progression C – G – Am – F ist derselbe Kreislauf, nur an einer anderen Stelle begonnen. Welche Stimmung entsteht, hängt davon ab, welchen Akkord das Ohr als Zuhause hört. Beginnt die Schleife auf C und betonst du das C, wirkt sie hell. Setzt sie auf Am an, klingt dieselbe Akkordfolge ernster. Probiere es auf Gitarre oder Klavier aus: Es ändern sich nur Startakkord und Betonung.
Praxisbeispiele zum Nachspielen
Eine Folge in mehreren Tonarten: Die Pop-Progression ergibt in der Tonart G die Folge G – D – Em – C, in D die Folge D – A – Bm – G, in A die Folge A – E – F#m – D und in E die Folge E – B – C#m – A. Bei 120 BPM im 4/4-Takt dauert ein Takt 2 Sekunden. Mit einem Akkord pro Takt braucht ein Durchlauf der vier Akkorde 8 Sekunden, die achtteilige Pachelbel-Folge 16 Sekunden. Auf der Gitarre kommst du in G ohne Barré aus, in den anderen Tonarten steckt meist mindestens ein Barré-Akkord darin. Wie du solche Folgen mit einem Kapodaster in eine andere Tonart verschiebst, rechnet derCapo-Rechner aus.
ii–V–I in A: Die Tonart A mit „Jazz ii–V–I“ ergibt Bm7 – E7 – Amaj7. Die Folge klingt glatt, weil sich wenig bewegt: Bm7 besteht aus B, D, F# und A, E7 aus E, G#, B und D, Amaj7 aus A, C#, E und G#. Das D liegt in Bm7 und E7 und fällt dann einen Halbton auf das C#, die Terz von Amaj7. Das G# aus E7 bleibt in Amaj7 als große Septime liegen.
Der Blues über zwölf Takte: Das Tool nennt nur die drei Kernakkorde. In A sind das A7, D7 und E7. Die übliche Form verteilt sie auf zwölf Takte: vier Takte I7, zwei Takte IV7, zwei Takte I7, ein Takt V7, ein Takt IV7 und zwei Takte I7, am Ende oft mit V7 als Turnaround. Bei Tonart A bedeutet das A7 – A7 – A7 – A7 | D7 – D7 – A7 – A7 | E7 – D7 – A7 – A7.
Was das Tool nicht leistet
Der Finder liefert Akkordsymbole, keine Rhythmen, Umkehrungen oder Voicings. Mit „▶ Anhören“ erklingt jeder Akkord einmal als einfacher Sinus-Klang in Grundstellung, etwa eine Sekunde lang, das erste Feld zuerst. Ob eine Folge in deinem Song trägt, entscheiden Melodie und Arrangement. Eine passende Folge zu einer Stimmung schlägt dir das Tool Akkord-Ideen vor, und welche Akkorde überhaupt in eine Tonart gehören, zeigt derHarmonielehre-Generator. Mehr zu Kadenzen und ihrer Wirkung steht im Ratgeber Akkordfolgen und Kadenzen.
Häufige Fragen
Was bedeuten die römischen Zahlen wie I–V–vi–IV?
Sie stehen für Stufen der Tonleiter, nicht für feste Töne. „I“ ist der Grundakkord der gewählten Tonart, „V“ der Akkord auf der fünften Stufe und so weiter. Große Zahlen bedeuten Dur-Akkorde, kleine Moll-Akkorde. So lässt sich dieselbe Folge in jeder Tonart benennen. Bei „ii7 – V7 – Imaj7“ zeigen die angehängten Zeichen, dass hier Septakkorde gemeint sind.
Wie übertrage ich eine Progression in eine andere Tonart?
Wähle im Feld „Tonart“ einen anderen Grundton. Alle Akkorde rücken dann um dieselbe Zahl von Halbtönen, ihr Verhältnis zueinander bleibt gleich. Bei Moll-Progressionen ist die gewählte Tonart der Moll-Grundton: Wählst du A und die Andalusische Kadenz, erscheint Am – G – F – E.
Warum klingen so viele Songs nach denselben Akkorden?
Weil sich bestimmte Stufenfolgen bewährt haben: Sie pendeln zwischen Ruhe und Spannung und lassen sich mit ganz verschiedenen Melodien, Tempi und Rhythmen kombinieren. Die Akkorde sind nur das Gerüst. Ob daraus etwas Bekanntes oder etwas Eigenes wird, entscheiden Melodie, Rhythmus und Arrangement. „Let It Be“ von den Beatles beginnt zum Beispiel mit C – G – Am – F.
Was unterscheidet die Pop-Progression von der 50er-Jahre-Progression?
Beide verwenden dieselben vier Akkorde I, IV, V und vi, aber in anderer Reihenfolge. In I–V–vi–IV (C – G – Am – F) folgt auf die Tonika sofort die Dominante. In I–vi–IV–V (C – Am – F – G) führt der Weg über die Tonikaparallele und die Subdominante zur Dominante, die zurück zur Tonika drängt. Das gibt der zweiten Folge den ruhigeren, nostalgischeren Charakter.
Warum enthält die Andalusische Kadenz Dur-Akkorde, obwohl sie in Moll steht?
Die Stufen VII und VI sind im natürlichen Moll ohnehin Dur-Akkorde. Der letzte Akkord, die V, ist hier ebenfalls Dur statt Moll und stammt aus harmonisch Moll. Er verstärkt die Spannung zurück zum Grundakkord. Die absteigende Linie Am – G – F – E ist typisch für Flamenco und spanisch klingende Musik.
Wann schreibt das Tool Kreuze und wann Bs?
Es richtet sich nach den Vorzeichen der Tonart. Dur-Tonarten mit B-Vorzeichen (F, Bb, Eb, Ab, Db) und Moll-Tonarten mit B-Vorzeichen (Dm, Gm, Cm, Fm, Bbm, Ebm) erscheinen mit Bs, alle anderen mit Kreuzen. Bei Tonart F ergibt die Pop-Progression deshalb F – C – Dm – Bb, bei Tonart D#/Eb die Folge Eb – Bb – Cm – Ab. Für F#/Gb-Dur nutzt das Tool die Kreuz-Schreibweise F#. Klanglich ist das egal: A# und Bb greifst du auf Gitarre und Klavier an derselben Stelle.