Reverb Time Calculator

Nachhallzeit (RT60) eines Raums mit der Sabine-Formel abschätzen.

RT60 ≈ – s

Berechnung nach der Sabine-Formel: RT60 = 0,161 · V / (α · S), mit Raumvolumen V, Gesamtoberfläche S und mittlerem Absorptionsgrad α. Liefert eine grobe Schätzung – reale Räume mit ungleichmäßiger Bedämpfung weichen davon ab.

So funktioniert's

Die Sabine-Formel setzt Raumvolumen, Oberfläche und die durchschnittliche Absorptionsfähigkeit der Materialien im Raum in Beziehung, um die Nachhallzeit abzuschätzen. Gib die Raummaße ein und wähle die Bedämpfung, die deinem Raum am nächsten kommt, um eine erste Einschätzung zu bekommen, bevor du in Akustikbehandlung investierst.

Beispiele

Beispiel 1: Ein 6 × 4 × 2,6 m großer Raum (V = 62,4 m³, S = 100 m²) mit Teppich und Möbeln (α ≈ 0,15) ergibt RT60 = 0,161 × 62,4 ÷ (0,15 × 100) ≈ 0,67 Sekunden – ein typischer, leicht halliger Wohnraum.

Beispiel 2: Derselbe Raum mit Akustikbehandlung (α ≈ 0,7) ergibt dagegen RT60 = 0,161 × 62,4 ÷ (0,7 × 100) ≈ 0,14 Sekunden. Das ist deutlich trockener, sogar kürzer als der übliche Richtwert für kleine Aufnahmeräume. Einen so hohen Mittelwert über alle sechs Flächen erreichst du in der Praxis kaum, und bei diesem Wert rechnet die Sabine-Formel ohnehin zu lang (siehe den Vergleich mit der Eyring-Formel weiter unten).

Wann brauchst du den Nachhallzeit-Rechner?

  • Recording: vorab einschätzen, ob dein Aufnahmeraum zu hallig für saubere Vocal- oder Instrumentenaufnahmen ist.
  • Studio-Planung: abschätzen, wie viel Akustikbehandlung nötig ist, um eine Ziel-RT60-Zeit zu erreichen.
  • Mixing: verstehen, warum derselbe Lautsprecher in zwei unterschiedlichen Räumen so unterschiedlich klingt.

Schritt für Schritt: Raum eingeben und ablesen

  1. Gib unter „Länge (m)“, „Breite (m)“ und „Höhe (m)“ die Maße in Metern ein, voreingestellt sind 6, 4 und 2.6. Miss von Wand zu Wand und nicht an Möbeln entlang.
  2. Wähle unter „Raumbedämpfung“ eine der sieben Stufen, von „Leerer Raum, harte Flächen (Beton/Fliesen) – α ≈ 0.03“ bis „Schalltoter Raum – α ≈ 0.9“. Voreingestellt ist „Wohnraum, Teppich + Möbel – α ≈ 0.15“.
  3. Lies im großen Feld „RT60 ≈ … s“ die Nachhallzeit ab, auf zwei Nachkommastellen gerundet.
  4. Prüfe in der Zeile darunter Raumvolumen, Oberfläche und α. Weichen sie von deiner Erwartung ab, hast du meist ein Maß verwechselt.
  5. Probiere die beiden benachbarten Stufen. Der Abstand der Ergebnisse zeigt dir, wie unsicher die Schätzung ist.

Woher die Formel kommt

Hinter der Formel steht ein einfaches Bild: Schall wird im Raum immer wieder an den Flächen reflektiert und verliert bei jedem Auftreffen einen Teil seiner Energie. Der Absorptionsgrad α gibt an, welcher Anteil verschluckt wird, 0 bedeutet vollständige Reflexion und 1 vollständige Absorption. Das Produkt α × S ist die äquivalente Absorptionsfläche in Quadratmetern: Ein offenes Fenster von 1 m² lässt keinen Schall zurück und zählt deshalb als α = 1. Je größer das Volumen V, desto mehr Schallenergie steckt im Raum, und je größer α × S, desto schneller wird sie abgebaut. Die Konstante 0,161 ergibt sich aus der Schallgeschwindigkeit: 24 × ln(10) ÷ 343 ≈ 0,161 bei rund 343 m/s, etwa 20 °C Lufttemperatur.

Praxisbeispiel: ein Schlafzimmer als Aufnahmeraum

Ein Raum von 4 × 3 × 2,5 m hat V = 30 m³ und S = 2 × (4 × 3 + 4 × 2,5 + 3 × 2,5) = 59 m². Der Zähler 0,161 × 30 beträgt 4,83. Mit den Stufen des Tools ergibt das:

  • Wohnraum, wenig Möbel (α ≈ 0,08): 4,83 ÷ (0,08 × 59) ≈ 1,02 Sekunden
  • Wohnraum, Teppich + Möbel (α ≈ 0,15): 4,83 ÷ (0,15 × 59) ≈ 0,55 Sekunden
  • Vorhänge, Polstermöbel, Teppichboden (α ≈ 0,3): 4,83 ÷ (0,3 × 59) ≈ 0,27 Sekunden
  • Teilbehandelt mit Akustikpanels (α ≈ 0,5): 4,83 ÷ (0,5 × 59) ≈ 0,16 Sekunden

Der Richtwert von 0,3 bis 0,5 Sekunden für kleine Aufnahmeräume liegt zwischen den Ergebnissen für α 0,15 und α 0,3. Für 0,35 Sekunden brauchst du α = 4,83 ÷ (0,35 × 59) ≈ 0,23. Anders gerechnet: Die Stufe 0,15 bietet 0,15 × 59 = 8,85 m² äquivalente Absorptionsfläche, für 0,35 Sekunden sind 4,83 ÷ 0,35 = 13,8 m² nötig. Es fehlen also rund 5 m². Reale Absorber erreichen α = 1 nur in Teilen des Frequenzbereichs und ersetzen Flächen, die schon etwas absorbieren, du brauchst deshalb mehr Fläche als diese rechnerischen 5 m².

Schon die Höhe zählt. Hebst du im Standardbeispiel (6 × 4 m, α ≈ 0,15) die Höhe von 2,6 auf 3,2 m, steigt V auf 76,8 m³ und S auf 112 m². Das Tool zeigt dann 0,74 statt 0,67 Sekunden, knapp 10 Prozent mehr.

Sabine und Eyring im Vergleich

Sabine unterstellt, dass bis zum Abklingen viele Reflexionen nötig sind. Bei hohem α stimmt das nicht mehr, schon nach wenigen Reflexionen bleibt kaum Energie übrig. Die Formel nach Eyring berücksichtigt das: RT60 = 0,161 × V ÷ (−S × ln(1 − α)), mit dem natürlichen Logarithmus ln. Für kleine α sind beide Formeln fast gleich, denn dann ist −ln(1 − α) ungefähr α. Der Abstand hängt nur von α ab, nicht von der Raumgröße: Sabine liegt um den Faktor −ln(1 − α) ÷ α über Eyring. Die Tabelle zeigt es für den voreingestellten Raum (V = 62,4 m³, S = 100 m²). Die Sabine-Werte gibt das Tool aus, die Eyring-Werte rechnest du von Hand.

αSabine (Tool)Eyring (von Hand)Sabine liegt darüber um
0,150,67 s0,62 s8 %
0,30,33 s0,28 s19 %
0,50,20 s0,14 s39 %
0,70,14 s0,08 s72 %
0,90,11 s0,04 s156 %

Üblich ist deshalb, Eyring schon ab mittlerer Absorption zu bevorzugen, etwa ab α 0,2 bis 0,3. Das Tool rechnet ausschließlich nach Sabine, bei den Stufen ab α 0,5 ist die angezeigte Nachhallzeit also eher zu lang. Bei α = 1 zeigt sich der Unterschied am deutlichsten: Sabine liefert für diesen Raum noch 0,161 × 62,4 ÷ 100 ≈ 0,10 Sekunden, Eyring null.

Warum kleine Räume im Bass nicht ins Modell passen

Die Rechnung setzt ein gleichmäßig verteiltes Schallfeld voraus. Ab welcher Frequenz das annähernd gilt, beschreibt die Schröder-Frequenz mit der Faustformel f ≈ 2000 × √(RT60 ÷ V), mit RT60 in Sekunden und V in m³. Für den Beispielraum mit 0,67 Sekunden und 62,4 m³ sind das rund 207 Hz. Darunter bestimmen einzelne Raummoden den Klang. Die tiefsten liegen bei 343 ÷ (2 × Abstand zweier gegenüberliegender Wände), im Beispielraum bei 28,6 Hz (6 m), 42,9 Hz (4 m) und 66,0 Hz (2,6 m). Manche Töne werden dort überbetont, andere ausgedünnt, und eine einzige RT60-Zahl kann das nicht beschreiben.

Grenzen und typische Fehler

  • Oberfläche statt Grundfläche: S ist die Summe aller sechs Flächen, Boden, Decke und vier Wände. Das Tool bildet sie aus Länge, Breite und Höhe, die Grundfläche allein wäre viel zu klein.
  • Nur Quader: Dachschrägen, Nischen und Erker bildet das Tool nicht ab. Mit einer mittleren Höhe kommst du näherungsweise zurecht.
  • Ein Wert für alles: Möbel, Fenster und Menschen stecken in der gewählten Stufe, nicht einzeln im Ergebnis. Der Absorptionsgrad hängt außerdem von der Frequenz ab, das Tool setzt einen einzigen Wert an.
  • Nur sieben Stufen: Zwischenwerte wie α = 0,23 gibt es nicht. Rechne sie von Hand, wie oben gezeigt, oder lies zwischen zwei Stufen ab.
  • RT60 ist kein Gütesiegel: Flatterechos, Raummoden und frühe Reflexionen sagen mehr über den Klang eines kleinen Raums, als eine Nachhallzeit allein verrät.

Wie du die Fahne eines Hall-Plugins ans Songtempo anpasst, steht im RatgeberDelay- und Reverb-Zeiten berechnen, die passenden Notenwerte liefert der Delay-Rechner. Warum 60 dB beim Schalldruck dem Faktor 1000 entsprechen, erklärt der RatgeberDezibel und Pegel verstehen, nachrechnen kannst du es im dB-Rechner.

Häufige Fragen

Was genau misst die RT60-Zeit?

RT60 ist die Zeit, in der der Schalldruckpegel nach dem Abschalten einer Schallquelle um 60 Dezibel fällt, der Schalldruck also auf ein Tausendstel sinkt. Sie ist die Standardkennzahl der Raumakustik, um zu beschreiben, wie „hallig“ oder „trocken“ sich ein Raum anhört.

Welche RT60-Zeit ist für ein Homestudio ideal?

Für kleine Aufnahme- und Abhörräume werden häufig 0,3 bis 0,5 Sekunden als Richtwert genannt: lang genug, um nicht komplett tot zu klingen, kurz genug, um Aufnahmen nicht unkontrolliert hallig zu machen. Konzertsäle und Kirchen haben dagegen bewusst deutlich längere Nachhallzeiten, grob 1,5 bis 3 Sekunden und mehr.

Wie kann ich die RT60-Zeit meines Raums praktisch verkürzen?

Am wirksamsten sind großflächige, weiche Materialien: Teppiche, dicke Vorhänge, Polstermöbel oder spezielle Akustikpanels an Wänden und Decke. Dünne Platten dämpfen vor allem die Höhen, für tiefe Frequenzen brauchst du deutlich dickere Absorber. Besonders parallele, harte Flächen (leere Wände, Glas, Fliesen) verursachen starken Nachhall und Flatterechos.

Wie genau lautet die Sabine-Formel und was bedeuten die Variablen?

RT60 = 0,161 × V ÷ (α × S), wobei V das Raumvolumen in m³, S die gesamte Oberfläche aller Wände, Boden und Decke in m² und α der mittlere Absorptionsgrad zwischen 0 (voll reflektierend) und 1 (voll absorbierend) ist. Das Tool berechnet V aus Länge, Breite und Höhe, S als 2 × (Länge × Breite + Länge × Höhe + Breite × Höhe) und nimmt α aus der gewählten Raumbedämpfung.

Wann reicht die Sabine-Formel nicht mehr aus, und was ist die Eyring-Formel?

Die Sabine-Formel setzt ein gleichmäßig verteiltes Schallfeld und eine geringe mittlere Absorption voraus. Je höher der Absorptionsgrad, desto stärker überschätzt sie die Nachhallzeit: Bei α = 0,3 liegt sie rund 19 Prozent über dem Wert der Eyring-Formel, bei α = 0,5 rund 39 Prozent, und selbst bei α = 1 würde sie noch eine Restnachhallzeit liefern. Die Eyring-Formel RT60 = 0,161 × V ÷ (−S × ln(1 − α)) berücksichtigt das und wird üblicherweise schon ab mittlerer Absorption (etwa α 0,2 bis 0,3) vorgezogen. Dieses Tool rechnet nur nach Sabine, die Stufen ab α 0,5 sind daher eher zu lang gerechnet. Ungenau wird das Modell außerdem bei sehr kleinen Räumen und ungleich verteilter Bedämpfung, etwa wenn nur eine Wand behandelt ist.

Wie finde ich den passenden Wert für die Raumbedämpfung?

Wähle die Stufe, die deine Ausstattung am besten beschreibt, und probiere zur Sicherheit die beiden Nachbarstufen aus, um eine Spanne zu sehen. Genauer geht es von Hand: Du multiplizierst die Fläche jedes Materials mit seinem Absorptionsgrad, addierst alles und teilst durch die Gesamtfläche. Das ergibt den mittleren Absorptionsgrad α. Die Werte einzelner Materialien stehen in Herstellerdatenblättern und hängen von der Frequenz ab. Genauer als jede Schätzung ist eine Messung vor Ort.