Dezibel und Pegel verstehen: dB, dBFS, dB SPL und Headroom
Kaum eine Einheit begegnet dir im Studio so oft wie das Dezibel: am Fader, am Kompressor, am Pegelmeter, im EQ, im Datenblatt eines Mikrofons und auf dem Hinweisschild am Konzerteingang. Gemeint ist dabei nicht immer dasselbe. Mal beschreibt dB eine Änderung, mal einen absoluten Pegel, mal eine elektrische, mal eine akustische Größe.
Dieser Ratgeber erklärt, was hinter der Einheit steckt, warum es zwei Formeln gibt, wie du Pegel mehrerer Quellen richtig addierst und was Headroom praktisch bedeutet. Die Rechnungen kannst du mit dem dB-Rechner nachvollziehen, der Verhältnisse in Dezibel umrechnet und mehrere Pegel summiert.
Ein Verhältnis, keine Menge
Ein Dezibel ist ein Zehntel Bel, benannt nach Alexander Graham Bell. Es beschreibt das Verhältnis zweier Größen auf einer logarithmischen Skala. Das hat einen praktischen Grund: Zwischen dem leisesten Schalldruck, den du hörst, und einem, der in den Ohren schmerzt, liegt mindestens der Faktor eine Million. Logarithmisch wird daraus ein überschaubarer Bereich von 120 dB und mehr, und gleiche Schritte in dB entsprechen eher dem, wie wir Lautstärkeänderungen empfinden.
Ein Wert ohne Zusatz, etwa −6 dB am Fader, beschreibt eine Änderung gegenüber dem Ausgangszustand. Steht hinter dem dB ein Kürzel wie FS, SPL oder u, ist ein fester Bezugswert gemeint, und aus der Änderung wird ein absoluter Pegel. Ein Fader in Nullstellung verändert also nichts, während 0 dBFS die digitale Obergrenze markiert.
Zwei Formeln: 10 × log für Leistung, 20 × log für Amplitude
Für Leistungsgrößen wie elektrische oder akustische Leistung gilt L = 10 × log10(P1 ÷ P0). Für Feldgrößen wie Spannung, Schalldruck oder Sample-Werte gilt L = 20 × log10(U1 ÷ U0). Der Faktor 2 kommt daher, dass die Leistung mit dem Quadrat der Amplitude wächst, und der Logarithmus eines Quadrats ist doppelt so groß wie der Logarithmus der Zahl selbst. Für dieselbe physikalische Änderung liefern beide Formeln deshalb dieselbe Zahl: Verdoppelt sich die Spannung an einem Widerstand, vervierfacht sich die Leistung, und beides sind 6,02 dB.
Im dB-Rechner wählst du unter Bezugsgröße zwischen Spannung / Amplitude (20·log₁₀) und Leistung / Power (10·log₁₀). Die Felder Verhältnis und Dezibel (dB) arbeiten in beide Richtungen: Tippst du in eines, rechnet das Tool das andere aus. Für Fader, Gain, Sample-Werte und Schalldruck ist die Amplituden-Einstellung die richtige.
| Pegeländerung | Amplitudenfaktor | Leistungsfaktor |
|---|---|---|
| −20 dB | 0,1 | 0,01 |
| −10 dB | 0,316 | 0,1 |
| −6 dB | 0,501 | 0,251 |
| −3 dB | 0,708 | 0,501 |
| −1 dB | 0,891 | 0,794 |
| 0 dB | 1 | 1 |
| +1 dB | 1,122 | 1,259 |
| +3 dB | 1,413 | 1,995 |
| +6 dB | 1,995 | 3,981 |
| +10 dB | 3,162 | 10 |
| +20 dB | 10 | 100 |
Faustregeln und ihr Geltungsbereich
Die wichtigsten Zusammenhänge lassen sich als Faustregeln merken. Sie gelten näherungsweise, und jede hat ihren Platz:
- +6 dB ≈ doppelte Amplitude: genau sind es 6,02 dB. Ziehst du einen Fader um 6 dB herunter, halbiert sich die Signalspannung ungefähr.
- +3 dB ≈ doppelte Leistung: genau 3,01 dB. Ein Verstärker mit doppelter Leistung spielt also nur 3 dB lauter, nicht doppelt so laut.
- +10 dB ≈ doppelt so laut empfunden: eine verbreitete Näherung für die Wahrnehmung, die je nach Frequenz und Pegel schwankt. Für eine doppelt so laut empfundene Beschallung brauchst du grob die zehnfache Verstärkerleistung.
- 1 dB: gilt oft als Faustwert für eine Änderung, die du im direkten Vergleich gerade noch bemerkst.
- −6 dB pro Abstandsverdopplung: Im Freien fällt der Schalldruckpegel einer kleinen Quelle um rund 6 dB, wenn sich dein Abstand verdoppelt. In Räumen ist der Abfall wegen der Reflexionen geringer.
Vergleichst du zwei Mischungen oder Plugin-Einstellungen, gleiche vorher die Lautheit an. Schon ein Dezibel Unterschied lässt die lautere Variante oft besser klingen, und dann entscheidest du über Pegel statt über Klang.
dBFS: der Maßstab im Digitalen
Digitales Audio hat eine harte Obergrenze: den größten Wert, den ein Sample annehmen kann. Dieser Wert heißt 0 dBFS, Full Scale. Alle Pegel liegen darunter und sind deshalb negativ. Innerhalb vieler DAWs, die intern mit Gleitkommazahlen rechnen, darf ein Kanal kurzzeitig darüber liegen. Spätestens am Wandler oder in einer 16- oder 24-Bit-Datei wird alles oberhalb von 0 dBFS abgeschnitten, und das Signal verzerrt hörbar.
Um einen dBFS-Wert in einen Anteil der Vollaussteuerung zu übersetzen, wählst du im dB-Rechner Spannung / Amplitude und trägst den Wert ins Feld Dezibel (dB) ein. Für −12 dBFS erscheint das Verhältnis 0.251189: Die Spitze erreicht rund ein Viertel des maximalen Sample-Werts. Der Rechner kennt selbst keine Bezugspegel, er rechnet nur das Verhältnis aus, und das genügt hier.
Der Abstand zwischen 0 dBFS und dem Grundrauschen hängt von der Bittiefe ab. Jedes Bit bringt theoretisch rund 6,02 dB, 16 Bit ergeben also etwa 96 dB, 24 Bit etwa 144 dB Dynamikumfang. Was 24 statt 16 Bit an Speicher kosten, zeigt der Sample-Rate-Rechner; mehr zu den Formaten steht im Ratgeber Samplerate, Bittiefe und Bitrate.
dB SPL: Schalldruck in der Luft
Für Schall in der Luft ist der Bezugswert 20 Mikropascal, ungefähr die Hörschwelle bei mittleren Frequenzen. Ein Schalldruck von 1 Pascal ergibt 20 × log10(1 ÷ 0,00002) ≈ 94 dB SPL, ein Pegel, auf den sich viele Kalibratoren und Angaben in Mikrofondatenblättern beziehen. Zwischen dBFS und dB SPL gibt es keinen festen Zusammenhang: Wie laut −12 dBFS aus den Lautsprechern kommen, hängt allein von deiner Abhörlautstärke ab. Auch die Raumakustik rechnet auf dieser Skala: Die Nachhallzeit RT60 gibt an, wie lange ein Raum braucht, bis der Nachhall 60 dB leiser geworden ist. Eine Abschätzung aus den Raummaßen liefert der Reverb Time Calculator.
Schallpegelmesser zeigen oft dB(A) an. Die A-Bewertung gewichtet tiefe und sehr hohe Frequenzen schwächer, ähnlich wie das Gehör bei geringer Lautstärke. Für die Beurteilung von Lärm ist das üblich, den Bassdruck einer Band im Proberaum gibt der Wert aber nur unvollständig wieder. Wenn du dich bei der Probe anschreien musst, um verstanden zu werden, gehört Gehörschutz zur Grundausstattung.
Pegel addieren: warum 70 und 70 nicht 140 ergeben
Dezibelwerte lassen sich nicht einfach zusammenzählen. Bei unkorrelierten Quellen, also voneinander unabhängigen Signalen wie zwei verschiedenen Instrumenten, addieren sich die Leistungen. Du rechnest jeden Pegel in eine Leistung zurück, summierst und rechnest wieder in dB: L = 10 × log10(10^(L1/10) + 10^(L2/10) + …). Zwei gleich laute Quellen ergeben so +3,01 dB, vier gleich laute +6,02 dB, zehn gleich laute +10 dB.
Aufschlussreicher sind ungleiche Pegel. Eine 80-dB-Quelle und eine 70-dB-Quelle ergeben zusammen 80,41 dB, die leisere hebt den Gesamtpegel also kaum an. Bei 6 dB Unterschied, etwa 90 und 84 dB, sind es 90,97 dB. Im dB-Rechner trägst du die Werte im Bereich dB-Summierung mehrerer Quellen ein, getrennt durch Leerzeichen, Komma oder Zeilenumbruch. Weil das Komma als Trennzeichen gilt, schreibst du Nachkommastellen mit Punkt, also 70.5 statt 70,5.
Korrelierte Signale verhalten sich anders. Kopierst du eine Spur und lässt Original und Kopie gleichzeitig laufen, addieren sich die Amplituden, und der Pegel steigt um 6,02 dB. Liegt die Kopie in umgekehrter Polarität, löschen sich beide aus. Zwei getrennt eingespielte Takes derselben Stimme verhalten sich dagegen annähernd wie unkorrelierte Quellen. Die Summenformel des Rechners gilt ausdrücklich nur für den unkorrelierten Fall.
Headroom und Gain-Staging
Headroom ist der Abstand zwischen den Spitzen deines Signals und der Grenze, an der es verzerrt. Bei Aufnahmen mit 24 Bit kostet Headroom kaum etwas: 12 dB Abstand zu 0 dBFS entsprechen rechnerisch rund zwei Bit, theoretisch bleiben über 130 dB Dynamik. Viele Toningenieure lassen die Spitzen deshalb deutlich unter 0 dBFS, etwa im Bereich von −12 bis −6 dBFS, statt das letzte Dezibel herauszuholen.
Gain-Staging heißt, an jeder Station des Signalwegs einen vernünftigen Pegel zu halten. Eine bewährte Reihenfolge:
- Stelle den Eingangsregler am Interface so ein, dass auch die lautesten Stellen mit Abstand unter 0 dBFS bleiben.
- Gleiche die Spuren in der DAW per Clip-Gain oder Trim-Regler grob an, bevor du Plugins einsetzt. Viele Plugins, vor allem Nachbildungen analoger Geräte, reagieren hörbar auf den Eingangspegel.
- Mische mit den Fadern in der Nähe ihrer Nullstellung, denn dort ist die Skala am feinsten aufgelöst.
- Kontrolliere Gruppen und Summe: Auch dort sollte nichts clippen, und vor dem Mastering bleibt Luft nach oben.
- Begrenze beim fertigen Master die echten Spitzen. Viele Empfehlungen nennen höchstens −1 dBTP, weil zwischen den Samples und bei der Umwandlung in verlustbehaftete Formate zusätzliche Spitzen entstehen können.
Lautheit: was die Pegelanzeige nicht verrät
Ein Spitzenpegelmeter zeigt, wie nah ein Signal an der Obergrenze ist, nicht wie laut es wirkt. Zwei Songs mit Spitzen bei −1 dBFS können sehr unterschiedlich laut klingen, wenn der eine stark komprimiert ist und der andere viel Dynamik hat. Für die empfundene Lautheit gibt es eigene Messverfahren, deren Ergebnis in LUFS angegeben wird. Im Rundfunk gilt nach EBU R 128 ein Zielwert von −23 LUFS, Streamingdienste normalisieren Titel auf eigene, teils unterschiedliche Werte.
Hinzu kommt, dass das Gehör nicht alle Frequenzen gleich laut wahrnimmt. Bei leisem Abhören treten Bässe und sehr hohe Töne zurück, bei lautem treten sie hervor. Prüfe deinen Mix deshalb bei verschiedenen Lautstärken und entscheide die Bassbalance nicht nur bei hohem Pegel.
Merke dir für die Praxis zwei Fragen: Liegt ein Wert relativ oder absolut vor, und auf welchen Bezug bezieht er sich? Wer bei jeder dB-Angabe beides klärt, verwechselt weder Fader mit Pegelmeter noch Schalldruck mit Sample-Werten.
Häufige Fragen
Ist 0 dB auf dem Fader dasselbe wie 0 dBFS?
Nein. Ein Fader auf 0 dB reicht das Signal unverändert weiter, egal wie laut es ist. 0 dBFS ist dagegen die digitale Obergrenze, an der ein Signal am Ausgang oder in der Datei abgeschnitten wird. Ein Kanal mit Fader auf 0 dB kann also ein leises oder ein übersteuertes Signal führen, je nachdem, was hineingeht.
Wie viel lauter wird es, wenn ich eine Spur dupliziere?
Eine exakte Kopie, die zeitgleich mit dem Original läuft, hebt den Pegel um 6,02 dB, weil sich die Amplituden addieren. Denselben Effekt hättest du mit dem Fader. Ein zweiter, getrennt eingespielter Take derselben Stimme bringt dagegen etwa 3 dB mehr und klingt zusätzlich breiter.
Warum ist mein Mix leiser als kommerzielle Songs, obwohl die Spitzen fast 0 dBFS erreichen?
Spitzenwerte sagen wenig über die Lautheit aus. Kommerzielle Produktionen werden meist komprimiert und limitiert, sodass der Durchschnittspegel näher an die Spitzen rückt. Vergleiche Lautheitswerte in LUFS statt Spitzenpegel und bedenke, dass Streamingdienste sehr laute Titel ohnehin herunterregeln.
Kann ich mit dem dB-Rechner Schalldruckpegel in Pascal umrechnen?
Ja, über das Verhältnis. Wähle im dB-Rechner Spannung / Amplitude und gib den SPL-Wert als Dezibel ein. Das Verhältnis sagt dir, das Wievielfache von 20 Mikropascal vorliegt: Für 100 dB SPL zeigt der Rechner 100000, mal 20 Mikropascal ergibt das 2 Pascal.