BPM und Tempo: Schläge pro Minute verstehen, messen und üben
Fast jede Tempoangabe, die dir heute begegnet, ist eine BPM-Zahl: im DAW-Projekt, auf der Setliste, im Delay-Plugin, im Menü des Drumcomputers. Beats per Minute heißt schlicht Schläge pro Minute. Hinter der einfachen Zahl stecken trotzdem ein paar Stolperstellen, etwa die Frage, welcher Notenwert eigentlich als Schlag zählt, oder warum derselbe Song mal mit 85 und mal mit 170 BPM angegeben wird.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du BPM in Millisekunden umrechnest, welche Tempi in verschiedenen Stilen üblich sind, was hinter Largo, Andante und Presto steckt und wie du das Tempo eines Songs zuverlässig heraushörst. Am Ende geht es um das Metronom als Übungspartner, denn ein Click hilft nur, wenn du ihn klug einsetzt.
Was ein Beat ist und worauf sich die Zahl bezieht
Ein Beat ist der Grundschlag, zu dem du beim Hören mit dem Fuß wippst. In Pop und Rock im 4/4-Takt ist das fast immer die Viertelnote: 120 BPM bedeuten 120 Viertel pro Minute, also zwei pro Sekunde. Zwingend ist das nicht. In Noten zeigt ein kleines Notensymbol vor dem Gleichheitszeichen, welcher Wert gemeint ist, etwa Halbe = 60 oder punktierte Viertel = 72.
Dazu kommt die Wahrnehmung. Viele Songs lassen sich in zwei Tempi mitzählen, eines doppelt so schnell wie das andere. Bei Drum and Bass nicken viele Hörer im halben Tempo mit, obwohl das Projekt mit 172 BPM läuft, und eine automatische Tempoerkennung meldet womöglich 86. Beides beschreibt dieselbe Musik, nur bezogen auf verschiedene Notenwerte. Die Rechner auf musiker-tools.de, vom Delay-Rechner bis zum Tuplet-Rechner, gehen davon aus, dass die BPM-Zahl für Viertel gilt.
Von BPM zu Millisekunden und zurück
Eine Minute hat 60.000 Millisekunden. Teilst du sie durch die BPM-Zahl, erhältst du die Dauer eines Schlags, bei 75 BPM also 60.000 ÷ 75 = 800 ms. Alles Weitere ergibt sich durch Halbieren und Verdoppeln: Die Achtel dauert dann 400 ms, die Sechzehntel 200 ms, ein 4/4-Takt 3.200 ms.
Rückwärts gilt BPM = 60.000 ÷ Millisekunden pro Schlag. Angenommen, ein Drumloop über vier Takte dauert genau 7,5 Sekunden. Ein Takt dauert dann 1,875 Sekunden, ein Schlag 468,75 ms, und 60.000 ÷ 468,75 ergibt 128 BPM. Mit derselben Logik schätzt du die Länge eines Songs in Takten: Bei 96 BPM fallen in 3:30 Minuten 96 × 3,5 = 336 Schläge an, im 4/4-Takt also 84 Takte.
| Tempo | Viertel | Achtel | Sechzehntel | 4/4-Takt |
|---|---|---|---|---|
| 60 BPM | 1.000 ms | 500 ms | 250 ms | 4,0 s |
| 75 BPM | 800 ms | 400 ms | 200 ms | 3,2 s |
| 90 BPM | 666,67 ms | 333,33 ms | 166,67 ms | 2,67 s |
| 120 BPM | 500 ms | 250 ms | 125 ms | 2,0 s |
| 128 BPM | 468,75 ms | 234,38 ms | 117,19 ms | 1,875 s |
| 140 BPM | 428,57 ms | 214,29 ms | 107,14 ms | 1,71 s |
| 174 BPM | 344,83 ms | 172,41 ms | 86,21 ms | 1,38 s |
Wer die Formel im Kopf hat, stellt ein Delay oder ein Tremolo auch an einem Gerät ohne Sync-Funktion in Sekunden passend ein. Wie das mit punktierten und triolischen Werten funktioniert, steht im Ratgeber Delay- und Reverb-Zeiten berechnen.
Welches Tempo passt zu welchem Stil?
Eine Tempovorschrift für Genres gibt es nicht, wohl aber Gewohnheiten. Die Bereiche in der Tabelle sind grobe Richtwerte, einzelne Songs liegen oft deutlich daneben. Nützlich ist die Übersicht vor allem als Gegenprobe: Ermittelst du für einen House-Track 64 BPM, hast du sehr wahrscheinlich das halbe Tempo erwischt.
Im Tanzsport wird das Tempo oft in Takten pro Minute angegeben. Beim Walzer mit drei Vierteln pro Takt multiplizierst du mit drei, 29 Takte pro Minute entsprechen also 87 BPM.
| Stil | grober Bereich | Anmerkung |
|---|---|---|
| Ballade | 60–80 BPM | wirkt durch Achtel- oder Sechzehntelbegleitung bewegter, als die Zahl vermuten lässt |
| Hip-Hop | 85–100 BPM | ruhiger Puls, darüber oft dichte Hi-Hat-Figuren |
| Pop und Rock | 90–130 BPM | sehr breit gestreut |
| House | 120–130 BPM | Bassdrum meist auf jeder Viertel |
| Techno | 125–140 BPM | härtere Spielarten auch schneller |
| Drum and Bass | 160–180 BPM | wird oft im halben Tempo mitgefühlt |
| Langsamer Walzer | 84–90 BPM | im Tanzsport als 28–30 Takte pro Minute angegeben |
| Wiener Walzer | 174–180 BPM | 58–60 Takte pro Minute |
Largo bis Prestissimo: die italienischen Tempobezeichnungen
In klassischen Noten steht statt einer Zahl oft ein Wort. Diese Bezeichnungen sind älter als Metronomangaben und beschreiben neben der Geschwindigkeit einen Charakter: Andante heißt wörtlich gehend, Allegro heiter. Verbindlich festgelegte Grenzen hat es nie gegeben, verschiedene Quellen nennen leicht unterschiedliche Bereiche.
Der Tempo-Konverter arbeitet mit gängigen Bereichen, die sich teilweise überlappen, und nennt zu einer BPM-Zahl alle Begriffe, deren Bereich sie trifft. Bei 72 BPM erscheinen Adagio und Adagietto, bei 168 BPM Vivace und Presto. Liegt die Zahl unter 20 oder über 240, meldet er, dass sie langsamer als Larghissimo beziehungsweise schneller als Prestissimo ist.
| Bezeichnung | Bereich im Tempo-Konverter | Charakter |
|---|---|---|
| Larghissimo | 20–24 BPM | extrem langsam |
| Grave | 25–45 BPM | schwerfällig, ernst |
| Largo | 40–60 BPM | breit, langsam |
| Larghetto | 60–66 BPM | etwas weniger langsam als Largo |
| Adagio | 66–76 BPM | langsam, ruhevoll |
| Adagietto | 70–80 BPM | ziemlich langsam |
| Andante | 76–108 BPM | gehend, mäßig |
| Andantino | 80–108 BPM | etwas fließender als Andante |
| Moderato | 108–120 BPM | mäßig |
| Allegretto | 112–120 BPM | mäßig schnell |
| Allegro | 120–156 BPM | schnell, lebhaft |
| Vivace | 156–176 BPM | lebhaft, munter |
| Presto | 168–200 BPM | sehr schnell |
| Prestissimo | 200–240 BPM | äußerst schnell |
Das Tempo eines Songs heraushören
Für bekannte Songs findest du Tempoangaben oft im Netz, allerdings nicht immer zuverlässig, und für eigene Proberaumaufnahmen gar nicht. Schneller und sicherer ist Tap-Tempo: Du tippst im Takt mit, die Software misst die Abstände. So gehst du vor:
- Hör zuerst ein paar Takte, ohne zu tippen, und such dir ein Instrument, das den Puls deutlich markiert. Bassdrum und Snare eignen sich meist besser als Gesang oder Flächenklänge.
- Tippe im BPM-Tapper auf die runde Fläche TAP, und zwar auf jeden Viertelschlag. Hat die Fläche den Fokus, funktionieren auch Leertaste und Enter.
- Tippe acht Mal oder öfter. Das Tool mittelt über die letzten bis zu acht Taps und zeigt unter dem Ergebnis an, auf wie vielen Taps und welchem durchschnittlichen Abstand der Wert beruht. Ab dem neunten Tap fällt jeweils der älteste heraus.
- Hast du dich vertippt, klicke auf Zurücksetzen oder lass mehr als 2,5 Sekunden verstreichen. Danach beginnt die Messung von vorn.
- Prüfe das Ergebnis auf Plausibilität: Passt es zum Stil, oder hast du das halbe beziehungsweise doppelte Tempo getippt?
- Trag den Wert im Metronom unter BPM manuell ein und lass den Click zum Song laufen. Driftet er nach einigen Takten weg, korrigiere die Zahl um eins nach oben oder unten.
Wie genau Tap-Tempo sein kann
Ein Detail der Rechnung erklärt, warum mehr Taps helfen. Der Durchschnitt aller Abstände ist mathematisch nichts anderes als die Zeit vom ersten bis zum letzten Tap im Fenster, geteilt durch die Anzahl der Abstände. Die Taps dazwischen ändern am Ergebnis nichts. Entscheidend ist, wie lang die gemessene Strecke ist.
Ein Beispiel bei 92 BPM, also rund 652 ms pro Schlag: Liegt dein letzter Tap 20 ms neben dem Beat, macht das bei nur zwei Taps gut 3 Prozent aus, knapp 3 BPM. Bei acht Taps verteilt sich derselbe Fehler auf sieben Abstände mit zusammen gut 4,5 Sekunden, das sind etwa 0,44 Prozent oder 0,4 BPM. Der Tapper rundet auf ganze BPM. Wurde ein Song ohne Click eingespielt und schwankt leicht, können zwei Messungen trotzdem um ein, zwei BPM auseinanderliegen, je nachdem, welche Stelle du erwischst.
Half-Time, Double-Time und Tempowechsel
Nicht jede gefühlte Tempoänderung ist eine Änderung der BPM. Spielt das Schlagzeug die Snare plötzlich nur noch auf Zählzeit 3 statt auf 2 und 4, wirkt der Song halb so schnell, obwohl Click und Gitarren unverändert weiterlaufen. Das nennt man Half-Time-Feel. Umgekehrt wirkt ein Double-Time-Feel, bei dem die Snare doppelt so oft kommt, wie eine Beschleunigung, ohne dass sich die Zahl im Projekt ändert.
Echte Tempowechsel legst du in der DAW in einer Tempospur an. Tempo-synchronisierte Effekte und eine ausgegebene MIDI-Clock folgen ihr, fest in Millisekunden eingetragene Effektzeiten dagegen nicht. In Noten stehen solche Wechsel als Wörter, die der Tempo-Konverter nicht abbildet:
- accelerando (accel.): allmählich schneller werden.
- ritardando (rit.) und rallentando (rall.): allmählich langsamer werden.
- a tempo: zurück zum vorherigen Grundtempo.
- più mosso und meno mosso: ab dieser Stelle bewegter beziehungsweise weniger bewegt.
- rubato: freier Umgang mit dem Tempo, Verzögern und Vorandrängen nach Ausdruck.
Mit dem Metronom üben, ohne dich festzufahren
Ein Metronom zeigt gnadenlos, wo du eilst oder schleppst. Damit es beim Üben hilft und nicht nur Druck macht, lohnen sich ein paar Gewohnheiten:
- Langsam anfangen, in kleinen Schritten steigern: Wähle ein Tempo, in dem die Passage fehlerfrei läuft, und erhöhe erst, wenn sie mehrmals hintereinander sitzt. Ein fester Schritt wirkt dabei unterschiedlich groß: Die Taste +5 BPM bedeutet bei 80 BPM gut 6 Prozent mehr Tempo, bei 160 BPM nur gut 3 Prozent.
- Unterteilung hörbar machen: Für einen Achtel-Click stellst du das doppelte Tempo ein. Aus 70 BPM werden 140, jeder Klick ist eine Achtel. Mit der Taktart 4/4 betont das Metronom dann jeden vierten Klick, also deine Zählzeiten 1 und 3.
- Click auf 2 und 4: Stelle das halbe Tempo ein und hör jeden Klick als Backbeat, bei einem Zieltempo von 100 BPM also 50 BPM. Mit der Taktart 2/4 fällt die Betonung immer auf die 2. Die 1 und die 3 musst du selbst tragen, und genau das schult das Timing.
- Den Click ausblenden: Spiel einige Takte mit Click, dreh dann die Lautstärke deines Geräts herunter, bis du ihn kaum noch hörst, und später wieder hoch. Liegst du dann noch auf dem Schlag, hast du das Tempo verinnerlicht.
Notiere zu jedem Übungsstück das Tempo, bei dem es heute sauber lief. So siehst du über Wochen, ob du vorankommst, und beginnst beim nächsten Mal nicht wieder bei null.
Häufige Fragen
Wie viele Millisekunden hat ein Schlag bei 110 BPM?
60.000 ÷ 110 ergibt rund 545,45 ms. Eine Achtel dauert die Hälfte, also etwa 272,73 ms, ein 4/4-Takt rund 2,18 Sekunden. Alle Notenwerte auf einmal, auch punktiert und triolisch, liefert dir der Delay-Rechner.
Kann ich mit krummen Werten wie 92,5 BPM arbeiten?
In den meisten DAWs ja, dort sind Nachkommastellen beim Tempo üblich. Das Metronom auf musiker-tools.de arbeitet mit ganzen Zahlen von 30 bis 260 BPM, und auch der BPM-Tapper rundet auf ganze BPM. Zum Üben und Proben reicht das völlig.
Unser Song wird live immer schneller. Was hilft?
Aufregung und Lautstärke treiben das Tempo bei vielen Bands nach oben. Hilfreich ist ein fester Einzähler im richtigen Tempo, etwa per Click im Ohr des Schlagzeugers. Nehmt Proben und Auftritte auf und vergleicht das Tempo am Anfang und am Ende des Songs mit dem BPM-Tapper.
In meinen Noten steht eine Achtelnote vor der Tempozahl. Was heißt das?
Die Angabe bezieht sich dann auf Achtel: Achtel = 120 bedeutet 120 Achtel pro Minute, also 60 Viertel. Am Metronom kannst du 120 einstellen und jeden Klick als Achtel zählen oder 60 und jeden Klick als Viertel. In Rechnern, die von Vierteln ausgehen, gibst du 60 ein.